„Content ist King“ – diesen Satz hört man, sobald es um Websites geht. Er stimmt noch, braucht aber einen Zusatz: Es zählt nicht der längste Inhalt, sondern der, der eine Frage am schnellsten und verlässlichsten beantwortet. Die Nielsen Norman Group hat Daten zur Verweildauer auf Webseiten ausgewertet: Die ersten zehn Sekunden entscheiden, ob jemand bleibt oder wieder geht.
Wer heute für eine Website schreibt, schreibt für drei Arten von Lesern: für Menschen, für Suchmaschinen wie Google und für KI-Dienste wie ChatGPT oder die Übersicht mit KI in der Google-Suche. Alle drei profitieren von denselben Grundlagen: Laut Googles Leitfaden zu den KI-Funktionen der Suche gelten die bewährten SEO-Grundsätze weiter, ein spezielles Format für KI ist nicht nötig.
Vor dem ersten Satz: der Seitensteckbrief
Halten Sie für jede Seite vier Antworten schriftlich fest:
- Leserschaft: Wer kommt auf diese Seite? Eine Privatkundin, die einen Termin sucht, liest anders als ein Einkäufer, der Lieferanten vergleicht.
- Frage: Mit welcher Frage kommt die Person? „Machen die das auch in unserer Region?“, „Wovon hängt der Preis ab?“, „Wie schnell geht das?“
- Wörter: Wie nennt Ihre Kundschaft, was Sie anbieten? Jakob Nielsen fordert in seinen zehn Usability-Heuristiken, dass eine Website die Sprache ihrer Nutzer spricht und nicht interne Fachbegriffe. Wer „Einbauschrank nach Maß“ sucht, tippt selten „individuelle Raumlösungen“ ein.
- Nächster Schritt: Was soll die Person nach dem Lesen tun? Anrufen, ein Angebot anfragen, sich anmelden, etwas bestellen.
Die besten Quellen liegen im eigenen Haus: Bitten Sie Ihr Team, eine Woche lang die Fragen aus Telefonaten, E-Mails und Gesprächen mitzuschreiben.
Aufbau: Antwort zuerst, Details danach
Nach einer Auswertung der Nielsen Norman Group von 2008 bleibt bei einem durchschnittlichen Besuch Zeit für höchstens 28 Prozent der Wörter, wahrscheinlicher sind 20 Prozent. Eyetracking-Studien derselben Gruppe zeigen: Den Blick ziehen vor allem die ersten Zeilen und die Zeilenanfänge auf sich, und wer überfliegt, springt gern von Zwischenüberschrift zu Zwischenüberschrift. Daraus folgt:
- Die Kernaussage steht im ersten Absatz, Hintergründe folgen danach.
- Zwischenüberschriften sagen, was im Abschnitt steht: „So läuft die Sanierung ab“ statt „Allgemeines“.
- Absätze beginnen mit dem Wort, das die Information trägt, nicht mit einer Floskel.
- Die Gliederung ist sauber: eine Hauptüberschrift, darunter Zwischenüberschriften ohne übersprungene Ebenen. Google empfiehlt, lange Inhalte in Abschnitte mit Überschriften zu gliedern. Für die Suche ist die Reihenfolge der Ebenen laut Google unerheblich, für Screenreader dagegen wichtig.
Drei Seiten, drei Aufgaben
Startseite: in Sekunden einordnen
Die Startseite beantwortet auf den ersten Blick: Wer sind Sie, was bieten Sie an, für wen und wo? Ein Satz wie „Schreinerei in Friedrichshafen: Küchen, Einbauschränke und Innenausbau für Privatkunden am Bodensee“ leistet mehr als „Herzlich willkommen auf unserer Website“. Darunter folgen die wichtigsten Leistungen mit Links und ein klarer Kontaktweg.
Leistungsseite: eine Leistung, eine Seite
Jede wichtige Leistung bekommt eine eigene Seite mit eigenem Seitentitel. Beantworten Sie dort die typischen Fragen: Ablauf, Dauer, Einzugsgebiet, Voraussetzungen und wovon der Preis abhängt. Konkrete Angaben wie „Termin in der Regel innerhalb von zwei Wochen“ sagen mehr als „schnell und zuverlässig“, vorausgesetzt, sie stimmen.
Über uns und Kontakt: Vertrauen belegen
Die Nielsen Norman Group nennt vier Faktoren, die bestimmen, ob Menschen einer Website vertrauen: die Qualität der Gestaltung, offene Angaben etwa zu Preisen und Bedingungen, umfassende und aktuelle Inhalte sowie die Verbindung zum Rest des Webs. Das Stanford Web Credibility Project rät zudem, eine echte Organisation erkennbar zu machen, etwa mit einer Postadresse, und den Kontakt leicht zu machen. Schreiben Sie konkret: Wer arbeitet bei Ihnen, seit wann gibt es den Betrieb, wo sitzen Sie? Das Impressum nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz gehört ohnehin dazu.
Verständlich schreiben
Die internationale Norm ISO 24495-1 von 2023 beschreibt klare Sprache mit vier Prinzipien: Inhalte sind für die Leserschaft relevant, leicht auffindbar, verständlich und nutzbar. Eine typische Hürde im Deutschen ist der Nominalstil. Diese Regeln helfen:
- Verben statt Nomen: „Wir beraten Sie vor Ort“ statt „Die Durchführung der Beratung erfolgt vor Ort“.
- Aktiv statt Passiv: Sagen Sie, wer etwas tut.
- Ein Gedanke pro Satz: Teilen Sie Schachtelsätze auf; auf dem Smartphone gilt das doppelt.
- Fachbegriffe erklären: Ist ein Fachwort nötig, erklären Sie es beim ersten Vorkommen.
- Einheitlich bleiben: ein Begriff für eine Sache, eine Anrede auf der ganzen Website.
- Sprechende Links: „Ablauf einer Badsanierung ansehen“ statt „hier“ oder „mehr“. Die WCAG verlangen, dass der Zweck eines Links aus dem Linktext oder seinem Zusammenhang erkennbar ist.
Fragen beantworten – für Menschen und Maschinen
Wer eine Frage hat, will die Antwort im ersten Satz. Formulieren Sie sie so, dass sie für sich allein verständlich ist, und liefern Sie die Begründung danach. Davon profitieren Menschen ebenso wie Suchmaschinen und KI-Systeme.
- Wichtiges als Text: Google rät für die KI-Funktionen der Suche, wichtige Inhalte in Textform bereitzustellen. Öffnungszeiten, Abläufe oder Preise gehören also nicht nur in ein Bild oder PDF. Laut einer Auswertung von Vercel und MERJ vom Dezember 2024 führen die großen KI-Crawler von OpenAI, Anthropic und Perplexity zudem kein JavaScript aus; per JavaScript nachgeladene Inhalte sehen sie unter Umständen nicht.
- FAQ-Bereiche: Häufige Fragen am Ende einer Leistungsseite helfen weiterhin, wenn jede Antwort für sich verständlich ist. Eine Sonderdarstellung in den Suchergebnissen bringen sie Unternehmenswebsites allerdings nicht mehr: Schon 2023 hat Google die FAQ-Rich-Results auf wenige Websites von Behörden und aus dem Gesundheitsbereich beschränkt, seit Mai 2026 zeigt Google sie gar nicht mehr. Strukturierte Daten müssen ohnehin zum sichtbaren Text passen.
- Seitentitel: Google zeigt ihn in der Regel als anklickbare Überschrift im Suchergebnis und empfiehlt beschreibende, prägnante Titel, die für jede Seite eindeutig sind.
- Meta-Beschreibung: Den Text unter dem Link erstellt Google vor allem aus dem Seiteninhalt und nutzt die Meta-Beschreibung, wenn sie die Seite besser zusammenfasst. Schreiben Sie sie als ehrliche Zusammenfassung, nicht als Werbespruch.
KI als Schreibhilfe: Entwurf ja, Freigabe durch Menschen
KI-Werkzeuge liefern Gliederungen, Entwürfe und glattere Sätze. Im Februar 2023 stellte Google klar: KI oder Automatisierung angemessen einzusetzen, widerspricht nicht seinen Richtlinien. Seit März 2024 gilt es dort jedoch ausdrücklich als Spam, in großer Zahl Inhalte mit wenig Mehrwert zu erzeugen, gleich ob Menschen oder Maschinen sie schreiben. Ein Ablauf in fünf Schritten:
- Briefing: Sie geben den Seitensteckbrief vor, dazu Fakten, Abläufe, Beispiele aus Ihrem Alltag und die Anrede.
- Entwurf: Die KI liefert eine erste Fassung oder Varianten für Überschriften.
- Faktencheck: Jede Zahl, jeder Name, jede Aussage zu Recht und Technik wird geprüft.
- Redaktion: Ein Mensch ergänzt, was nur Sie wissen, streicht Floskeln und prüft Ton und Rechtschreibung.
- Freigabe: Jemand aus dem Unternehmen liest den Text und steht inhaltlich dafür ein.
Zwei Punkte gehören dazu: Geben Sie keine personenbezogenen Daten von Kundinnen und Kunden in ein KI-Werkzeug ein, solange nicht geklärt ist, wie der Anbieter sie verarbeitet; dafür gilt die DSGVO. Und Google rät, offenzulegen, wie Automatisierung eingesetzt wurde, wenn Leserinnen und Leser das vernünftigerweise erwarten würden. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Jede Seite braucht einen nächsten Schritt
- Verben, die sagen, was passiert: „Angebot anfordern“, „Rückruf vereinbaren“ oder „Termin buchen“ statt „Absenden“ oder „Mehr“.
- Ein Hauptziel pro Seite: Weitere Wege dürfen zurückhaltender gestaltet sein.
- Gut platziert: direkt nach dem überzeugendsten Abschnitt und noch einmal am Seitenende.
- Erwartungen klären: Sagen Sie, was nach der Anfrage passiert, etwa „Wir melden uns innerhalb von zwei Werktagen“, wenn Sie das einhalten können.
- Kurze Wege: Die Telefonnummer ist auf dem Smartphone antippbar, das Formular fragt nur das Nötige ab.
Checkliste für Ihre Website-Texte
- Für jede Seite gibt es einen Steckbrief: Leserschaft, Frage, Wörter, nächster Schritt.
- Die Kernaussage steht im ersten Absatz.
- Zwischenüberschriften sagen, worum es geht, die Ebenen sind sauber gegliedert.
- Jede wichtige Leistung hat eine eigene Seite mit eigenem Seitentitel.
- Kurze, aktive Sätze in der Sprache Ihrer Kundschaft.
- Typische Kundenfragen sind direkt beantwortet, wichtige Angaben stehen als Text auf der Seite.
- Linktexte sagen, wohin sie führen.
- Seitentitel und Meta-Beschreibung sind pro Seite eindeutig und ehrlich.
- KI-Entwürfe sind von Menschen geprüft, redigiert und freigegeben.
- Jede Seite endet mit einem klaren nächsten Schritt.
Texte von Anfang an mitplanen
Gute Texte gehören von Anfang an zum Konzept einer Website. Wir unterstützen Sie bei der Content-Planung, bei Seitentexten, Produktbeschreibungen und Landingpages, auf Wunsch KI-unterstützt und von Menschen redigiert. Wie wir Inhalte, Design und Technik zusammenbringen, lesen Sie auf der Seite Webdesign, wie Ihre Inhalte bei Google und in KI-Antworten sichtbar werden, unter Auffindbarkeit (SEO und GEO). Oder Sie rufen uns an: 07551 839 91 30.